terremoto

Joanna Selinger & Mayar el Hayawan / Derzu Campos

23. Februar 2019  //  7 pm 

Musik und Getränke nach der Show

Terremoto (Erdbeben auf Spanisch) vereint zwei audiovisuelle Installationen, die sich mit den ästhetischen und metaphorischen Möglichkeiten befassen, die diese Naturkräfte erzeugen können. Der Dialog zwischen den beiden Werken erstreckt sich von Europa bis Mexiko und zurück und verweist auf die unaufhaltsame Kraft der Natur und die menschliche Dimension der Tragödie. Zugleich deutet der Dialog zur Utopie und zum Scheitern der westlichen Idee des Fortschritts, die durch die Zyklen der Zerstörung und des Wiederaufbaus von Gebäuden und Denkmälern repräsentiert wird.

wave · forms, das Werk von Joanna Selinger und Mayar el Hayawan, ist die Visualisierung von vier im Meer entstandenen Erdbeben die zu Tsunamis führten: Sumatra (2004), Samoa (2009), Japan (2011) und Chile (2015). Mit einer Software, die Daten in Schall umwandelt, konnten die Künstlerinnen aus den seismischen Daten jedes Erdbebens hörbare Frequenzen erzeugen. Sie haben dann ein experimentelles Klangstück und ein audioreaktives Skript erstellt, welches den Zuschauer ermöglicht die Epizentren, die Bewegung und den Anstieg der seismischen Wellen zu sehen/hören. Die Erweiterung am Boden in Form von konzentrischen Kreisen ermöglicht dem Publikum den Grad der Zerstörung, den die Wellen hinterlassen haben, vorzustellen.

An der anderen Wand des Raumes erforscht Europa Endlos, von Derzu Campos, die Idee von Erdbeben als Zyklus von Kollaps und Wiederaufbau. In der ersten Hälfte des Videos erscheinen Bilder der Zerstörung nach dem Zweite Weltkrieg in Europa kombiniert mit Bildern von Ruinen auf der ganzen Welt. Nach einem "Wendepunkt", der durch eine Kunstblume repräsentiert wird, werden modernistische und brutale Gebäude, die sich mit postmodernen Wolkenkratzern verschmelzen, dargestellt. Diese Verschmelzung, die für unsere neoliberale Ära repräsentativ ist, zeigt wie sich die idealistische Vorstellung vom Fortschritt ab und während dem Wiederaufbau des Nachkriegseuropas zu einem Wachstumsrennen pulsierte. Gegen Ende des Videos schließen Bilder von Flüchtlingslagern und Naturkatastrophen, die durch die globale Erwärmung verursacht wurden, und öffnen gleichzeitig den Kreislauf der Zerstörung neu. Diese Schlussbilder hinterfragen das menschliche Handeln bezüglich den Auswirkungen von Naturkatastrophen und dem Erfolg des modernistischen Projekts.

Den vollständigen kuratorischen Text (auf English) lesen.

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